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Stöckli Medical organisiert die Corona-Impfstoffverteilung für 15 Kantone

Eine (Motivations-)Spritze im Kampf gegen das Virus

Stöckli Medical entwickelte innerhalb weniger Wochen im Auftrag des Kantons Luzern zusammen mit externen Partnern eine Webshop-Plattform für die Covid-19 Impfstoffverteilung. Inzwischen nutzen bereits 15 Kantone die Webshop-Plattform, um eine kontingentierte Verteilung der Covid-19 Impfstoffe zu organisieren.


(«Foto Willisauer Bote»)

«Ich habe eine Idee.» Mit diesen Worten empfängt Sabina Stöckli die Journalistin in ihrem Büro. Sie schlägt ein Foto mit einer Spritze vor, symbolisch für ihren Einsatz im Kampf gegen das Coronavirus. Sie holt eine Schere und Klebestreifen. Aus weissen Papieren schneidet und klebt sie ein Rechteck. «Spontanität gehört zu meinem Job», sagt die 46-jährige Willisauerin und ruft das Projektteam zum Fototermin. Sie platzieren sich kurzerhand mit dem weissen Plakat vor dem Eingang des Firmengebäudes in der Oberkircher Länggass. Die vergangenen Wochen und Monate verlangten ihnen allen ein Höchstmass an Flexibilität ab. Innert Wochen hat die Stöckli Medical AG eine Plattform für die Logistik des Covid-Impfstoffs entwickelt. «Ich kam an Mariä Empfängnis wie die Jungfrau zum Kinde», erinnert sich Sabina Stöckli. Am 8. Dezember informierte der Kanton Luzern sie über den Zuschlag. Ihre Firma wurde beauftragt, die Plattform zu entwickeln.

Eine massgeschneiderte IT-Lösung
Luzern brauchte dringend ein Instrument, um die Verteilung des Corona- Impfstoffs zu kontingentieren. Eine IT-Plattform sollte die Lücke zwischen dem Bundesamt für Gesundheit und dem Logistiker schliessen. «Es gab kein erprobtes System, das die Anforderungen erfüllte.» Die besondere Situation verlangte nach neuen Lösungen. So nahm der Luzerner Kantonsapotheker Stephan Luterbacher Kontakt mit Sabina Stöckli auf. «Er wusste von unserem Onlineshop für Covid-Schutzmaterial und attestierte uns genügend Know-how, um ein entsprechendes Programm zu entwickeln.» In einem Workshop entwarf Sabina Stöckli gemeinsam mit den Verantwortlichen von Bund und Kanton Lösungsansätze. Es blieben ihr knapp vier Wochen für die Umsetzung. Am 4. Januar musste die Plattform betriebsbereit sein. Ein sechsköpfiges Team arbeitete von morgens bis abends, oft auch samstags und sonntags. Nach Weihnachten startete die Crew mit den ersten Testläufen. Mit Erfolg. Pünktlich am 4. Januar konnte die Stöckli Medical AG die Plattform aufschalten. «Das System funktionierte von Anfang an sehr zuverlässig», sagt Sabina Stöckli. Zu Beginn wurden wöchentlich zwischen 30 bis 50 Bestellungen über das System abgewickelt. Aktuell sind es je nach Verfügbarkeit des Impfstoffs bis 400. Die Zahl steigt stetig. Nutzer sind bis anhin die Kantone beziehungsweise ihre Impfzentren und Altersheime. Sie gelangen über die Plattform zu den Impfdosen, die ihnen zustehen. Neben Luzern beziehen inzwischen 13 weitere Kantone sämtliche Impfstoffe über das System der Stöckli Medical AG. Diese Entwicklung sei erfreulich, sagt Sabina Stöckli. «Durch die Zusammenarbeit der Kantone lassen sich die Investitionskosten auf mehrere Schultern verteilen, öffentliche Gelder werden optimal genutzt.» Stöckli Medical beschäftigt sich noch immer intensiv mit der Weiterentwicklung der Plattform. Regelmässig seien Anpassungen und damit Absprachen mit den Kantonen und den Logistikern nötig, sagt Sabina Stöckli. Noch ist das Impfen im Kanton Luzern erst in den dafür vorgesehenen Zentren in Luzern und voraussichtlich ab dem 26. April in Willisau möglich. Das könnte sich in den nächsten Monaten ändern. Wenn mehr Impfstoff zur Verfügung steht, werden auch hier bald Hausärzte ihre Patientinnen und Patienten gegen Corona impfen können. Damit nähme die Zahl der Plattformnutzer exponentiell zu. Das System sei für diese Ausweitung konzipiert, sagt Sabina Stöckli.

Das neue Business
Mit der Entwicklung der Plattform betrat die Stöckli Medical AG Neuland. Vor Corona war das Unternehmen nicht aktiv auf diesem Markt. Einen ersten Schritt in diese Richtung machten die Geschwister Sabina, Maurus und Philipp Stöckli mit der Beschaffung und dem Vertrieb von Covid-Schutzmaterial. «Dazu kamen wir im Lockdown», sagt Sabina Stöckli. Normalerweise unterstützen ihre Mitarbeitenden Chirurgen bei Eingriffen an der Wirbelsäule. Im Frühling 2020 mussten aufgrund der Weisung des Bundes die meisten geplanten Operationen abgesagt werden. Ihr Team hatte von einem auf den andern Tag kaum mehr Arbeit. Familie Stöckli legte die Hände nicht in den Schoss, sondern wurde aktiv. «Die Spitäler brauchten dringend Masken, wir boten Hand und belieferten sie mit zertifiziertem Schutzmaterial zu fairen und moderaten Preisen.» Das Stöckli-Trio setzte ein 20-köpfiges Team ein, das sich um die Beschaffung der Schutzmaterialien kümmerte. In einem zweiten Schritt bauten die Geschwister einen Onlineshop auf und boten damit ihre Artikel der breiten Öffentlichkeit an. «Der Einstieg in dieses Business wäre unter normalen Umständen für ein KMU wie Stöckli Medical schwierig gewesen.» Das grosse Geschäft habe sich damit nicht machen lassen. Dennoch lohne sich für ihre Firma der Aufwand. Dank den gesammelten Erfahrungen sei das Unternehmen zudem für weitere, auch grössere Aufträge gerüstet. Dann etwa, wenn die Schweiz im grossen Stil Schutzmaterial aus ihren Lagern verteilen müsste. Konkrete Anfragen von mehreren Kantonen im Bezug auf das Pandemielager liegen bereits auf dem Tisch. «Hier oder anderswo könnten wir in Zukunft neue Geschäftsfelder erschliessen.» Der Auftrag für die Entwicklung der Impfstoffplattform habe gezeigt, dass sich auch in Krisen neue Türen öffnen können.

Das Heft in die Hand nehmen
Die Entwicklung der Impfstoffplattform habe das Team aus den Reserven gelockt. «Es brauchte die Ressourcen von uns allen, um ein solches Projekt zu stemmen.» Sie liebe solche Herausforderungen. «Sie halten uns fit und flexibel.» Das seien zwei wichtige Eigenschaften, um sich erfolgreich am Markt zu behaupten. Nach zehn Jahren ist Stöckli Medical kein Start-up mehr. Doch eine solche Aufgabe ermutige neu durchzustarten. Komplexe Anforderungen, eine sinnvolle Aufgabe: Das motiviere sie, Vollgas zu geben. Auch für ihr junges Team sei es eine tolle Erfahrung. «An diesen Auftrag werden sie sich wohl ein Leben lang zurückerinnern.» Sie habe viele Kontakte geknüpft und Kunden neu kennengelernt. Die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Stellen erlebe sie sehr positiv. «Da sind Leute an der Arbeit, die den Kopf nicht in den Sand stecken, sondern das Heft in der aktuellen Ausnahmesituation in die Hand nehmen.» Mit der richtigen Einstellung lasse sich viel bewegen. Das Projekt der Impfstoffplattform gibt ihr recht. Immer wieder heisse es, in der Wirtschaft fresse der Grossbetrieb den Kleinunternehmer. In ihrer Branche sei das tatsächlich oft so. «Doch in der Krise gelten andere Regeln», sagt Sabina Stöckli. «Bei dieser Herausforderung kam der Schnellere dem Langsameren zuvor.» Sie hätten es als KMU geschafft, eine gute Lösung anzubieten. Das zeigt, dass auch kleine Betriebe Grosses bewirken können.

Unternehmen mit Willisauer Wurzeln
Die Stöckli Group mit langjähriger Tradition im Möbelbusiness (Möbel Stöckli, Möbelfabrik Willisau, Tisch & Stuhl Willisau AG) hat sich in der dritten Generation mit den Geschwistern Philipp, Sabina und Maurus sowie Vater Willi Stöckli neu ausgerichtet: Sie ist heute hauptsächlich in der Medizintechnik tätig und zu ihr gehören die Fimen Stöckli Medical und 7s Medical AG sowie die Immobiliengesellschaft MW Reat Estate AG. Die Unternehmensgruppe mit Sitz in Oberkirch beschäftigt aktuell 47 Mitarbeitende und bietet über 10 Lernenden eine Ausbildungsstätte. Zu den Kunden der Stöckli Medical AG zählen Spitäler und Gesundheitseinrichtungen in der ganzen Schweiz, 7s Medical AG ist international tätig.


(«Foto Willisauer Bote»)

Texte & Fotos: Willisauer Bote

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